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03.11.2009
HNO-Klinik
Krankenkassen vergüten pauschal die Kosten für implantierbare Hörgeräte – Keine schwierigen Einzelfallentscheidungen mehr – Versorgungslücke geschlossen –Hilfe für Menschen mit Erkrankungen des Mittel- und Innenohres und bei Problemen mit konventionellen Hörgeräten – Auch für Kinder zugelassen
ERLANGEN – Etwa 19 % der deutschen Bevölkerung über 14 Jahre sind hörbeeinträchtigt. Das bedeutet, dass rund 14 - 16 Millionen Menschen an einem Hörschaden leiden. Nicht zuletzt durch die zunehmende Lärmbelästigung nimmt die Schwerhörigkeit auch bei jungen Menschen immer mehr zu. Für Menschen, die ein normales Hörgerät nicht tragen können oder wollen, gibt es die Möglichkeit, ein Hörgerät ins Mittelohr zu implantieren. Diese Art der Hörhilfe ist allerdings teurer als ein normales Hörgerät. Eine Kostenübernahme mussten gesetzlich versicherte Patienten daher bislang aufwändig im Einzelfall mit ihrer Krankenkasse verhandeln.
Der HNO-Klinik Erlangen ist es nun gelungen, für solche Fälle eine pauschale Vergütung mit den Krankenkassen auszuhandeln. Das bedeutet, dass nun auch Kassenpatienten, die eine entsprechende medizinische Indikation haben, ohne Einzelfallentscheidung versorgt werden können. „Mit der Erklärung der Kostenübernahme seitens der Krankenkassen erhalten diese Patienten die Sicherheit, dass sie ein notwendiges Hörgerät erhalten können“, so Prof. Heinrich Iro, Direktor der Hals-Nasen-Ohrenklinik. Die anfallenden Kosten trägt die Krankenkasse. Neu ist außerdem, dass auch Kinder mit dieser innovativen Hörtechnologie versorgt werden können.
Mit diesem Verhandlungserfolg schließt die HNO-Klinik eine Lücke in der Versorgung Hörgeschädigter: Neben sogenannten Cochlear Implantaten, modernen Innenohrprothesen für gehörlose Menschen, und konventionellen Hörgeräten stehen in Erlangen auch implantierbare Hörgeräte für gesetzlich Versicherte zur Verfügung. Prof. Ulrich Hoppe, Leiter der Audiologie erklärt:„Wir können nun endlich wirklich jeden optimal versorgen, egal welche Hörstörung vorliegt, und die komplette Bandbreite an Hörhilfen anbieten.“
Implantierbare Mittelohrhörgeräte sind für viele Menschen die einzige Behandlungsmöglichkeit, die das Hören wieder möglich macht: Sie helfen Betroffenen, die konventionelle Hörgeräte nicht tragen können, weil sie zum Beispiel unter ständig wiederkehrenden Ohrentzündungen leiden, allergisch auf Hörgerätematerialien reagieren oder eine sogenannte Gehörgangsatresie haben, eine angeborene Missbildung, bei der der äußere Gehörgang verschlossen ist. Eine weitere Gruppe potenzieller Patienten sind Betroffene, die neben einer Störung des Innenohrs eine begleitende Schallleitungsstörung haben. Aufgrund einer neuartigen Technik profitieren auch Menschen, bei denen Hammer und Amboss im Ohr fehlen oder durch Krankheit zerstört wurden, von einem solchen Hörgerät. Mit Hilfe eines implantierbaren Hörgeräts können sie vielfach deutlich besser hören, Probleme mit „normalen“ Hörgeräten gehören der Vergangenheit an.
Keine Fremdkörper im Hörkanal
Bei implantierbaren Hörgeräten wird ein winziger Schwingungskörper direkt im Ohr an der Gehörknöchelchenkette befestigt. Normalerweise ist es der Schall, der die Knöchelchen mit Hilfe des Trommelfells zum Schwingen bringt. Bei einem implantierbaren Hörgerät übernimmt ein künstlicher Schwingungskörper diese Funktion oder verstärkt sie, um den Hörverlust des Innenohrs auszugleichen. „Im Vergleich zum herkömmlichen Hörgerät hat das für die Patienten zwei Vorteile: Zum einen bleibt der Hörkanal frei von Fremdkörpern, die vielleicht zu Entzündungen oder Problemen führen könnten, zum anderen ist die Klangqualität klarer und Sprache wird besser übertragen“, erklärt Dr. Joachim Hornung, Geschäftsführender Oberarzt der HNO-Klinik.
Wahl zwischen Voll- und Teilimplantaten
Zur Verfügung stehen zwei Varianten, die beide an der HNO-Klinik eingesetzt werden: Teilimplantierbare und vollimplantierbare Hörgeräte. Der Unterschied liegt beim Mikrofon, das entweder hinter dem Ohr auf der Haut getragen oder beim vollimplantierbaren System unter die Haut gesetzt wird. Da hierbei kein Teil des Hörgerätes freiliegt, können Träger eines vollimplantierbaren Systems alle Tätigkeiten (Sport, Duschen, Baden etc.) durchführen – ohne weniger zu hören. Außerdem ist das Hörgerät damit quasi unsichtbar. Allerdings muss der Akku des Gerätes, der ebenfalls unter der Haut liegt, jeden Tag geladen und nach einigen Jahren außerdem operativ ausgetauscht werden. Bei teilimplantierbaren Systemen ist dies nicht nötig, da sich die Batterie in dem Teil des Gerätes befindet, der abnehmbar ist.
Für die Operateure an der HNO-Klinik Erlangen gehört das Einsetzen eines teil- oder vollimplantierbaren Hörgerätes zu den Routineeingriffen. Das erste vollimplantierbare Gerät in Bayern wurde bereits 2007 an der Erlanger Klinik eingesetzt. Die Operation wird unter Vollnarkose durchgeführt und dauert rund ein bis zwei Stunden. Nach einigen Tagen können die Patienten dann ihre normalen Tätigkeiten wieder aufnehmen. Das Hörgerät selbst wird rund zwei Monate nach der Operation in der HNO-Klinik aktiviert und angepasst.
Die Hals-Nasen-Ohren Klinik – Kopf- und Halschirurgie ist eine Klinik des Universitätsklinikums Erlangen (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg).
Die Klinik unter Direktion von Prof. Dr. med. Heinrich Iro gehört zu den größten HNO-Kliniken Deutschlands. Im Jahr 2007 wurden 4.583 Patienten stationär behandelt, hinzu kamen 23.854 ambulante Fälle.
Die Klinik verfügt über 80 Planbetten in soeben modernisierter, komfortabler Ausstattung, 6 Operationssäle, eine eigene 5-Betten-Intensivstation und eine neue Poliklinik.
Die HNO-Klinik bietet das gesamte diagnostische, konservativ therapeutische und operative Spektrum der HNO-Heilkunde und der Kopf-Hals-Chirurgie an.
Schwerpunkte sind: Schädelbasis-Chirurgie, implantierbare Hörgeräte, Mittelohr-Operationen, plastische und ästhetische Operationen, Nasennebenhöhlen-Chirurgie, Tumortherapie.
Die Klinik verfügt außerdem über besondere Expertise bei der Behandlung von Tinnitus und Schwindel. Sie unterhält zudem ein Speicheldrüsenzentrum und ein Schlaflabor.
Ansprechpartner für die Redaktionen:
Hals-Nasen-Ohren-Klinik
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E-Mail: ulrich.hoppe@uk-erlangen.de
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