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25.01.2010
HNO-Klinik
14 Millionen Schwerhörige in Deutschland – Immer mehr Senioren und Jugendliche mit Hörproblemen – Lautsprachbegleitende Gebärden ermöglichen barrierefreie Kommunikation – Mitarbeiter der Erlanger HNO-Klinik aus Pflege, Therapie und Verwaltung wurden geschult – Nur wenige Kliniken haben gebärdensprachenkompetente Mitarbeiter
ERLANGEN – Nach Angaben des Deutschen Schwerhörigenbundes gibt es in Deutschland rund 14 Millionen schwerhörige und taube Menschen. Die Zahl der Betroffenen steigt – bei den Senioren, aber auch bei Jugendlichen: Von den über 70-Jährigen haben bereits mehr als 50 % Hörprobleme, zudem ist alleine in Bayern bereits jeder vierte Jugendliche irreversibel hörgeschädigt. Der Grund: häufiges und lautes Musikhören über MP3-Player, auf Konzerten oder in Clubs.
Für immer mehr Menschen ist also die Kommunikation mit Normalhörenden von Verständigungsproblemen geprägt. Erschwerend kommt hinzu, dass Schwerhörigkeit nicht sichtbar ist und damit oft unterschätzt wird. Umso wichtiger ist es, auf die Bedürfnisse Hörgeschädigter einzugehen.
Die HNO-Klinik Erlangen geht hier mit gutem Beispiel voran: Um gehörlose und schwerhörige Patienten noch besser betreuen zu können, wurden in den vergangenen Monaten Mitarbeiter in Lautsprachbegleitenden Gebärden (LBG) ausgebildet. Bei den LBG wird jedes gesprochene Wort simultan mit einem möglichst bedeutungsgleichen Gebärdenzeichen begleitet. So soll eine barrierefreie Kommunikation mit betroffenen Patienten ermöglicht werden. Ein Angebot, das nur wenige Kliniken ihren Patienten bieten. Insgesamt 11 Mitarbeiter aus der Pflege und der Patientenaufnahme sowie vom Cochlear-Implant-Centrum CICERO wurden von einem Schwerhörigenpädagogen und Audiotherapeuten in grundlegenden Gebärden zu Themenbereichen wie „Menschlicher Körper“, „Essen und Trinken“ sowie „Medizinische Grundbegriffe“ unterrichtet.
Schlüsselbegriffe für die Arbeit mit den Patienten
Gebärdensprachenkompetente Mitarbeiter gibt es an Kliniken nur selten. Die HNO-Klinik Erlangen möchte das ändern, um Verständigungs- und Verständnisschwierigkeiten bei der ambulanten und stationären Versorgung von Hörgeschädigten zu vermeiden. „Ziel des klinikinternen Workshops war es, den Mitarbeitern Schlüsselbegriffe für ihre Arbeit mit den Patienten zu vermitteln. Es ging aber auch darum, sie generell für die Kommunikation mit Hörgeschädigten zu sensibilisieren“, so Kursleiter Reiner Hofmann, der selbst schwerhörig ist. „Man muss erst einmal lernen, sich zu trauen sich über Körpersprache, Gestik und Mimik auszudrücken.“ Vor allem am Anfang kostete der volle Körpereinsatz Überwindung, doch mit der Übung sinkt auch die Hemmschwelle.
„Hauptsache, die Verständigung klappt!“
Bereits während der Kursphase wurde das Gelernte auf den Stationen angewandt – mit Erfolg. CI-Patientin Katarina Nibler, die von Geburt an hörgeschädigt ist und der Ende Oktober in Erlangen ein Cochlear Implant eingesetzt wurde, freut sich über das Engagement der Pflegekräfte: „Über die Gebärdensprache kann ich mich, genau wie viele andere Gehörlose und CI-Träger, mit anderen gut verständigen. Ich würde mir wünschen, dass mehr Normalhörende Gebärdensprache könnten, nicht nur hier an der Klinik, sondern zum Beispiel auch in Ämtern oder am Arbeitsplatz.“ Die 21-Jährige hat sich die Gebärdensprache als Kind selbst beigebracht, dabei ist es ihr egal, ob ihr Gegenüber LBG oder die Deutsche Gebärdensprache DGS verwendet: „Hauptsache, die Verständigung klappt! Es hilft zum Beispiel auch schon, wenn der Gesprächspartner deutlich und nicht zu leise spricht und mich direkt anschaut.“
Adäquat auf die Bedürfnisse von Hörgeschädigten eingehen
Auch diese einfachen Verhaltensregeln für das Gespräch mit Hörgeschädigten waren Thema in den vom Pflegedienst organisierten Workshops: „Man sollte pragmatisch an die Sache herangehen: Ziel ist es miteinander zu kommunizieren. Dabei kommt es nicht auf exakte Gebärden an, sondern auf das Zusammenwirken von klarer Artikulation, Mundbild, Mimik, Gestik und LBG“, erklärt Reiner Hofmann. „Am Anfang muss man sich etwas überwinden, weil es ungewohnt ist, mit dem ganzen Körper zu sprechen, doch dann hat es schnell sehr viel Spaß gemacht. Und wenn man das Erlernte im Klinikalltag zum ersten Mal erfolgreich angewandt hat, ist das eine echte Motivation, weil man so viel besser auf die Bedürfnisse von hörgeschädigten Patienten eingehen kann,“ so Ingrid Weber, Mitarbeiterin der Patientenaufnahme, die das Kursangebot der HNO-Klink gerne angenommen hat. Für dieses Jahr ist an der HNO-Klinik bereits ein Auffrischungskurs geplant, denn wie bei jeder Sprache, die man neu lernt, ist es auch bei den LBG wichtig in Übung zu bleiben.
Die Hals-Nasen-Ohren Klinik – Kopf- und Halschirurgie ist eine Klinik des Universitätsklinikums Erlangen (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg). Die Klinik unter Direktion von Prof. Dr. med. Heinrich Iro gehört zu den größten HNO-Kliniken Deutschlands. Im Jahr 2007 wurden 4.583 Patienten stationär behandelt, hinzu kamen 23.854 ambulante Fälle.
Die Klinik verfügt über 80 Planbetten in soeben modernisierter, komfortabler Ausstattung, 6 Operationssäle, eine eigene 5-Betten-Intensivstation und eine neue Poliklinik.
Die HNO-Klinik bietet das gesamte diagnostische, konservativ therapeutische und operative Spektrum der HNO-Heilkunde und der Kopf-Hals-Chirurgie an. Schwerpunkte sind: Schädelbasis-Chirurgie, implantierbare Hörgeräte, Mittelohr-Operationen, plastische und ästhetische Operationen, Nasennebenhöhlen-Chirurgie, Tumortherapie.
Die Klinik verfügt außerdem über besondere Expertise bei der Behandlung von Tinnitus und Schwindel. Sie unterhält zudem ein Speicheldrüsenzentrum und ein Schlaflabor.
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