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Sozialpädiatrisches Zentrum, Uni-Klinikum

Behandlung von erwachsenen Mukoviszidose-Patienten ist gefährdet

Ärzte, Therapeuten und Pflegekräfte demonstrieren gemeinsam mit ihren Patienten für die Finanzierung einer umfassenden Therapie

Der Zulassungsausschuss Ärzte Mittelfranken hat am 15.06.2016 ohne Ankündigung einen Beschluss gefasst, der 72 der bisher im Sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ) des Universitätsklinikums Erlangen betreuten Erwachsenen ab dem 01.07.2016 von der Versorgung im SPZ ausschließt. Das Uni-Klinikum Erlangen hat Widerspruch gegen diesen Beschluss eingelegt. Ärzte, Therapeuten und Pflegekräfte kämpfen bei einer Patientendemonstration des Mukoviszidose e. V. am Donnerstag, 01.12.2016, von 15.00 bis 16.30 Uhr vor der Kinder- und Jugendklinik (Loschgestraße 15) in Erlangen an der Seite ihrer Patienten für die weitere Finanzierung einer zertifizierten und multidisziplinären Behandlung erwachsener Mukoviszidose-Patienten.

Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit zystischer Fibrose (CF) wurden in Erlangen bislang nach den multimodalen Behandlungskriterien der zertifizierten Mukoviszidose-Ambulanz im Sozialpädiatrischen Zentrum der Kinder- und Jugendklinik (Direktor: Prof. Dr. Dr. h. c. Wolfgang Rascher) behandelt. Erwachsene Patienten wurden in begrenzterem Umfang auch in der CF-Ambulanz der Medizinischen Klinik 1 - Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie (Direktor: Prof. Dr. Markus Neurath) des Uni-Klinikums Erlangen therapiert. Mit dem Beschluss des Zulassungsausschusses ist nun die medizinische Betreuung der 72 bisher im SPZ betreuten Erwachsenen in der gebotenen und gewohnten Qualität nicht mehr gewährleistet. Dazu sagt der Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums Erlangen, Prof. Dr. Dr. h. c. Heinrich Iro: "Leider ist es bisher nicht gelungen, die qualifizierte CF-Therapie für Kinder und Jugendliche umfassend in die Erwachsenenmedizin zu transferieren, weil die Betreuung von erwachsenen Patienten in wahrscheinlich allen Einrichtungen in Deutschland (hoch) defizitär ist." Deshalb sei es aktuell auch nicht möglich, in der Medizin 1 zusätzlich zu den dort bereits betreuten 40 erwachsenen Patienten mit zystischer Fibrose weitere 72 Patienten aus dem SPZ zu übernehmen. "In der Medizin 1 sind keine Mittel vorhanden, um die Behandlung auch dieser Patienten mit einer weiterhin hohen Versorgungsqualität zu gewährleisten", so Prof. Iro.

Für die Einrichtung eines Mukoviszidose-Zentrums für alle Altersgruppen fehlt eine Finanzierungszusage der Krankenkassen

Der Vorstand des Universitätsklinikums Erlangen hatte bereits im Oktober 2014 beschlossen, ein interdisziplinäres Mukoviszidose-Zentrum am Universitätsklinikum Erlangen für alle Patienten mit Mukoviszidose (Kinder, Jugendliche und Erwachsene) einzurichten. Räumlich soll dieses Mukoviszidose-Zentrum nach dem Ausbau des sogenannten C-Baus in der Kinder- und Jugendklinik beheimatet sein. "Eine Zusage der Krankenkassen, dass die Behandlungen kostendeckend finanziert werden, liegt derzeit noch nicht vor", sagt Prof. Iro.

Im SPZ haben die Krankenkassen bislang die umfassende CF-Behandlung Erwachsener pro Quartal und pro Patient im Durchschnitt mit 624,89 € vergütet. In der Medizin 1 sind es nur 185,54 €. "Auf dieser niedrigen Vergütungsbasis ist die Ausweitung der Behandlung bzw. die Gründung eines neuen CF-Zentrums für Erwachsene leider nicht finanzierbar", sagt Prof. Iro.

In der Diskussion um die qualifizierte Behandlung der Patienten mit Mukoviszidose muss außerdem darauf hingewiesen werden, dass neue Behandlungsmöglichkeiten mit einem der modernen mutationsspezifischen Medikamente - das aktuell für bis zu 50 Prozent der Patienten in Frage kommt - pro Jahr und pro Patient 193.343 € bzw. 268.786 € kosten. Diese Kosten werden zu 100 % durch die Krankenkassen getragen. Im Vergleich dazu liegt der finanzielle Aufwand für die qualitätsgesicherte multidisziplinäre Versorgung eines Patienten mit Mukoviszidose im SPZ bei ca. 1 % dieser Medikamentenkosten. Dazu sagt der Ärztliche Direktor: "Dieses 1 % nicht zu investieren, bedeutet einen Verlust der über Jahrzehnte geschaffenen Versorgungsstrukturen für mehrere tausend Erwachsene mit Mukoviszidose in Deutschland. Die verzweifelten Reaktionen der Patienten sind für mich mehr als verständlich."

"Wir werden unsere Patienten in kein 'Versorgungsloch' fallen lassen"

Der Ärztliche Direktor hatte in einer Pressekonferenz des Universitätsklinikums am 22.11.2016 versichert, "dass wir die Erwachsenen mit Mukoviszidose in kein 'Versorgungsloch' fallen lassen". Einschränkend ergänzte er: "Die Behandlung der Patienten kann aber nur übergangsweise fortgesetzt werden, bis wir mit dem Zulassungsausschuss und den Krankenkassen eine tragfähige Lösung gefunden haben. Das Universitätsklinikum tritt insoweit für seine Patienten in Vorleistung."

Weitere Informationen:

Johannes Eissing
E-Mail: presseatuk-erlangen.de
Telefon: 09131 85-36102

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