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Medizin 5, Uni-Klinikum

Besserer Infektionsschutz nach Stammzelltransplantation

Neue Therapie wird weltweit erstmals an Patienten erforscht

Erstmals haben Ärzte einem Leukämie-Patienten vier Monate nach einer Stammzelltransplantation auch spezielle Immunzellen (B-Lymphozyten) des Spenders transplantiert, um den Empfänger wirkungsvoller vor gefährlichen Infektionen zu schützen. "Dieses Verfahren hat in Tierversuchen bereits hervorragend funktioniert und wurde jetzt zum ersten Mal weltweit bei einem 21-jährigen Patienten aus Nordbayern angewendet", sagte Prof. Dr. Andreas Mackensen, Direktor der Medizinischen Klinik 5 – Hämatologie und Internistische Onkologie des Universitätsklinikums Erlangen heute (22.05.2014) auf einer Pressekonferenz in Erlangen. „Unsere vorklinischen Laborergebnisse haben klar gezeigt, dass das Erlanger Verfahren die Infektionsrate nach einer Stammzelltransplantation entscheidend senken kann“, so Prof. Mackensen. Vorangegangen waren jahrelange Laboruntersuchungen einer Forschergruppe aus Immunologen, Virologen und Hämatologen der FAU Erlangen-Nürnberg.
Ein Immunsystem in der Spritze: Hinter diesem Foto, das bei der Behandlung des weltweit ersten Patienten mit dem neuen Erlanger Verfahren entstand, stecken zehn Jahre Forschung. Nun wollen die Ärzte zeigen, dass der bisher nur im Labor untersuchte Therapieweg auch Menschen effizient helfen kann. Foto: Uni-Klinikum Erlangen.

Zur Vermeidung einer Abstoßungsreaktion nach einer Stammzelltransplantation (SZT) von einem Geschwister- oder Fremdspender sind Medikamente erforderlich, die das Immunsystem des Patienten erheblich unterdrücken. Die Folge einer immunsuppressiven Therapie nach der SZT ist ein sehr hohes Infektionsrisiko. Das neue Immunsystem des Patienten baut sich erst im Laufe von Monaten und Jahren wieder auf. Sechs Monate nach einer SZT müssen daher alle Grundimpfungen neu durchgeführt werden. Für wichtige Immunreaktionen - beispielsweise gegen Pilze und Herpesviren - gibt es aber keine Impfstoffe. Diese Immunantworten des Körpers müssen wieder wie bei einem Säugling erlernt werden. Durch das Erlanger Verfahren, dessen Verträglichkeit nun im Rahmen einer Phase-I-Studie untersucht wird, sollen Patienten nach der SZT ein funktionsfähigeres Immunsystem erhalten. "Bei diesem neuartigen Verfahren werden Patienten wenige Wochen nach der klassischen Stammzelltransplantation funktionsfähige aufgereinigte B-Lymphozyten desselben Spenders übertragen", erläuterte Prof. Mackensen.

Stammzelltransplantation: etabliertes Verfahren mit hoher Komplikationsrate

Die Stammzelltransplantation zur Therapie von bösartigen Erkrankungen wie der akuten Leukämie ist ein etabliertes Verfahren. Weltweit betrachtet wurde 2013 die einmillionste SZT durchgeführt. "Angesichts der steigenden Transplantationszahlen ist es eine wichtige Aufgabe, die Forschung zur Senkung des hohen Infektionsrisikos nach einer SZT voranzubringen", sagte Prof. Mackensen. Verschiedene Forschergruppen arbeiten weltweit an unterschiedlichen Strategien zur Infektionsminderung nach SZT. Bisher wurden ausschließlich Ansätze mit erregerspezifischen T-Lymphozyten verfolgt. Die Erlanger Forschergruppe hat sich für einen alternativen Ansatz mit Gedächtnis-B-Lymphozyten des ursprünglichen Stammzellspenders entschieden. "In Erlangen ist es nun gelungen, die erfolgreiche Forschungsarbeit im Reagenzglas und in Tiermodellen in die Klinik zu übertragen und erstmals bei einem Patienten nach SZT anzuwenden", so Prof Mackensen. "Diese translationale Forschung ist eine Stärke der Erlanger Forscher, die auch durch den Bau eines eigenen Zentrums vom Freistaat Bayern gefördert wird, das im Wintersemester 2014/2015 offiziell eröffnet werden soll."

SZT-Patienten können ab sofort an neuer Therapiestudie an vier Standorten teilnehmen

Seit über fünf Jahren forschen die Wissenschaftler der Medizinischen Klinik 5 des Uni-Klinikums Erlangen zusammen mit Experten aus dem Virologischen Institut (Prof. Dr. Michael Mach) und dem Department Biologie (Prof. Dr. Thomas Winkler) der FAU Erlangen-Nürnberg an dem neuen Therapieverfahren, um die Abwehrschwäche nach SZT zu vermindern. In der aktuellen Studie werden dem Empfänger aufgereinigte Immunzellen, sogenannte B-Lymphozyten, vom ursprünglichen Knochenmarkspender übertragen. B-Lymphozyten sind die Immunzellen, die Antikörper gegen Bakterien, Viren sowie Pilze produzieren und somit eine sehr wichtige Rolle bei der Abwehr von Infektionen einnehmen. "Wir konnten in Tierversuchen eine deutlich schnellere Wiederherstellung der B-Zell-Immunität und eine Reduzierung der Infektionsgefährdung nach der SZT nachweisen", sagte Dr. Julia Winkler von der Medizinischen Klinik 5, die zusammen mit ihrem Kollegen Dr. Wolf Rösler die Studie leitet. "Unsere weiteren Studien sollen nun zeigen, dass unser bisher nur im Labor erforschter Therapieweg SZT-Patienten wirkungsvoll helfen kann", so Dr. Winkler. "Der erste Patient hat unsere Immunzellengabe sehr gut vertragen." Ab sofort können neben Erlanger Patienten auch SZT-Patienten der Uni-Klinika Essen, Regensburg und Würzburg an der Studie teilnehmen.

Umfangreiche Prüfung der Studie vor Beginn für größtmögliche Patientensicherheit

Die Phase-I-Immuntherapiestudie erfüllt alle Auflagen des Arzneimittelgesetzes der Bundesrepublik Deutschland. Die B-Lymphozyten-Präparate werden auf höchstem Qualitätsniveau (Good Manufacturing Practice) von der Transfusionsmedizinischen und Hämostaseologischen Abteilung (Leiter: Prof. Dr. Reinhold Eckstein) am Uni-Klinikum Erlangen hergestellt. Gefördert wurde die Studie zunächst vom bayerischen Wissenschaftsministerium (BayImmuNet). Aktuell wird sie von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (Teilprojekt im Sonderforschungsbereich 643) finanziert und von der Ethikkommission der FAU Erlangen-Nürnberg begleitet. Die Genehmigung des Studienprotokolls erfolgte im August 2013 vom Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel (Paul-Ehrlich-Institut) der Bundesrepublik Deutschland. Weitere Informationen: www.medizin5.uk-erlangen.de

Weitere Informationen:

Dr. Julia Winkler
Telefon: 09131 85-34819
E-Mail: julia.winkleratuk-erlangen.de

Die aufgereinigten B-Gedächtniszellen lagern bis zu ihrem Einsatz auf der Station der Medizin 5 in –200° C kaltem flüssigen Stickstoff. Foto: Uni-Klinikum Erlangen.
Studienleiterin Dr. Julia Winkler (r.) kontrolliert die erste Übertragung von B-Gedächtniszellen: von der Anlieferung auf Station bis zur Injektion. Foto: Uni-Klinikum Erlangen.
Hier wird erstmals ein "immunologisches Gedächtnis" übertragen: Der neue Therapieweg ähnelt in der Umsetzung einer Bluttransfusion. Foto: Uni-Klinikum Erlangen.
V. l. n. r. Prof. Dr. Thomas Winkler (Professur für Genetik /Department Biologie FAU Erlangen-Nürnberg), Prof. Dr. Andreas Mackensen (Direktor der Medizinischen Klinik 5 - Hämatologie und Internistische Onkologie), Dennis Zeilmaier (Patient), Dr. Julia Winkler (Studienleiterin Medizinischen Klinik 5 - Hämatologie und Internistische Onkologie). Foto: Uni-Klinikum Erlangen.
Dank der erfolgreichen neuen Therapie kann Dennis Zeilmaier wieder lachen. Foto: Uni-Klinikum Erlangen.
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