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Uni-Klinikum, Medizinische Fakultät, Virologie

Ursache nach 23 Jahren gefunden

Erlanger Wissenschaftler untersuchten auf Basis von neuen Erkenntnissen alten Patientenfall

Manches Rätsel aus der Vergangenheit lässt sich erst Jahre später mithilfe einer neuen Technik lösen. Beispiel DNA-Analyse: Das Verfahren ist erst seit 1984 möglich und seit 1988 als Beweis in einem Strafprozess zugelassen. Liegen allerdings aus älteren Fällen noch entsprechende Indizien vor, kann der Täter auch viel später eindeutig überführt werden. So ähnlich ermittelten Wissenschaftler des Virologischen Instituts – Klinische und Molekulare Virologie (Direktor: Prof. Dr. Klaus Überla) des Universitätsklinikums Erlangen. Nachdem ihnen 2017 im Rahmen einer aufwendigen Untersuchung der weltweit erste Nachweis gelang, dass das Bornavirus auch für Menschen lebensgefährlich werden kann, nahmen sie weitere Fälle aus der Vergangenheit noch einmal gründlich unter die Lupe. Bei einem inzwischen 23 Jahre alten Patientenfall konnte das Rätsel nun endlich gelöst werden: Die Schuld an dem bisher ungeklärten Todesfall im Jahr 1996 trägt das Bornavirus.

Nachdem im Sommer 2016 zwei Patienten ohne bekannte Risikofaktoren und trotz intensiver Behandlung an einer schweren Gehirnentzündung unbekannter Ursache verstorben waren, hatte ein Team aus Neuropathologen und Virologen unter Federführung von Prof. Dr. Armin Ensser, Forschungsgruppenleiter und Facharzt in der Virologie, die Gewebeproben mittels modernster Verfahren untersucht. Die Wissenschaftler identifizierten im Gehirn eines der Patienten große Mengen der Erbsubstanz eines Virus. „Überrascht hat uns das Ergebnis: Bornavirus“, erinnert sich Prof. Ensser. „Bis dahin waren nur Fälle bei Spitzmäusen, Pferden, Schafen und wenigen anderen Säugetieren bekannt. Dass das Virus auch für Menschen lebensgefährlich werden kann, war für die ganze Wissenschaftswelt eine neue Erkenntnis.“ Deshalb wurde das Ergebnis anschließend in methodisch unabhängigen Untersuchungsverfahren geprüft – und bestätigt (Korn et al., NEJM 2018. 379: 1375–1377).

„Mit diesem neuen Wissen im Kopf ruft man sich natürlich alte Fälle ins Gedächtnis. Auch von der 31-jährigen Patientin, die im Jahr 1996 an einer ungeklärten Erkrankung des zentralen Nervensystems gestorben war, hatten wir noch Gewebeproben, die wir nun erneut untersuchten“, erläutert Prof. Ensser. „Ein wenig fühlten wir uns dabei schon wie Kriminalbeamte.“ Und genau wie diese überführten die Wissenschaftler in diesem Fall das Bornavirus als Täter. Damals wie heute gibt es noch keine Therapie gegen diese seltene Infektion, doch ist die Ermittlung der Ursache für behandelnde Ärzte und Angehörige eine wichtige Komponente für das Verständnis und die Bewältigung des Geschehens.

Der Fall wurde in der renommierten Fachzeitschrift „Acta Neuropathologica“ publiziert: http://link.springer.com/article/10.1007/s00401-019-02005-z

Die Studienergebnisse, mit denen der weltweit erste Nachweis gelang, dass das Bornavirus eine fatale Enzephalitis bei Menschen ohne bekannte Risikofaktoren verursachen kann, wurden im New England Journal of Medicine publiziert: https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMc1800724

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Armin Ensser
Telefon: 09131 85-22104
E-Mail: armin.ensseratuk-erlangen.de

 

 
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