Kinderurologie

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In trockenen Tüchern

Vom Blasentraining bis zur neuen Niere: Die Ärzte und Pflegekräfte der Kinderurologie therapieren mit und ohne Medikamente, mit und ohne OP.

Die Kinderurologin Dr. Eva Harlander-Weikert und ihr kleiner Patient proben die Sonografie an einer Stoffente. "Wenn die das schafft, schaffst du das schon lange!" Die neue kinderurologische Station des Uni-Klinikums Erlangen hat zwölf Betten. Dank des Umzugs ins Gebäude der Kinderklinik im März 2016 sind andere pädiatrische Einrichtungen, mit denen die Kinderurologen eng zusammenarbeiten, nun greifbar nah: die Kindernephrologie, das Sozialpädiatrische Zentrum, die Kinder- und die Neo-Intensivstation, die Endokrinologie, die Radiologie und die Nuklearmedizin. Foto: Uni-Klinikum Erlangen

Lesen und Kopfrechnen, Englisch-Vokabeln, Rolle vorwärts: All das lernen Kinder spätestens in der Grundschule. Das Fach "Richtig auf die Toilette gehen" wird nicht unterrichtet. Dabei müssen Heranwachsende oft erst lernen, ihre Blase zu kontrollieren. "Bis zum Ende des fünften Lebensjahres nässt noch jedes dritte Kind gelegentlich im Schlaf ein. Bis zu diesem Alter ist das in der Regel nicht besorgniserregend", erklärt Dr. Karin Hirsch-Koch, Leiterin der Sektion Kinderurologie in der Urologischen und Kinderurologischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Bernd Wullich) des Uni-Klinikums Erlangen.

Krankheitswert kann das Einnässen haben, wenn auch Kinder über fünf Jahre nachts noch mindestens zweimal monatlich Harn verlieren. Je älter die Jungen oder Mädchen sind, desto stärker belastet das Bettnässen einerseits die Betroffenen, die beim Schulausflug Angst haben, einmal mehr auf einem feuchten Laken aufzuwachen, und andererseits die Eltern, die daheim mit dem Wäschewechsel nicht nachkommen und sich wünschen, alles wäre - im wahrsten Sinne des Wortes - endlich in trockenen Tüchern.

"Ebenso bedrückend ist es, wenn junge Patienten tagsüber Urin verlieren, ohne es zu wollen", berichtet Dr. Hirsch-Koch. In den wenigsten Fällen hat die kindliche Inkontinenz organische Ursachen, die eine Operation erfordern: Harnröhrenklappen, die den Harnfluss behindern, Fehlbildungen der Blase und der Nieren oder angeborene neurogene Erkrankungen zum Beispiel. Mehrheitlich ist die kindliche Inkontinenz "funktionell": Ein Teil der Kinder leidet an einer überaktiven Blase, der Overactive Bladder (OAB). OAB-Patienten verspüren einen ständigen Harndrang und entleeren ihre Blase sehr oft - freiwillig oder unfreiwillig. Andere Kinder schieben den Toilettengang auf, "zum Beispiel weil sie durch Spielen oder Fernsehen abgelenkt sind, weil sie den Unterricht nicht stören wollen oder sich vor der Toilette ekeln", weiß Dr. Hirsch-Koch. Weiterhin beobachten die Kinderurologen das Phänomen der dyskoordinierten Miktion. Karin Hirsch-Koch erklärt: "Das heißt, dass das Kind seine Beckenbodenmuskulatur beim Wasserlassen anspannt und die Miktion damit immer wieder unterbricht. So bleibt Restharn in der Blase. Der führt zu Harnwegsinfektionen, bis hin zur Nierenbeckenentzündung." All diese funktionellen Blasenentleerungsstörungen können ohne eine Operation und ohne Medikamente behandelt werden: in der Blasenschule der Kinderurologie.

 
 
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