Tissue Engineering

" alt="" />

Hilfe aus dem eigenen Körper

Meilenstein in der regenerativen Medizin: Mithilfe des Tissue Engineering konnte bereits bei zwei Patienten der Plastisch- und Handchirurgischen Klinik durchblutetes Ersatzgewebe im eigenen Körper herangezüchtet werden - eine Verpflanzung von gesundem Eigengewebe war nicht mehr notwendig.

Forschung, die zeitnah den Patienten zugutekommt: Das gehört zu den Zielen der Mitarbeiter. Foto: Uni-Klinikum Erlangen

Nur noch die Narbe am rechten Unterarm erinnert an die Schmerzen, die Carina vor anderthalb Jahren plötzlich im Handgelenk verspürte. Die junge Architekturstudentin vermutete zunächst eine Sehnenscheidenentzündung. Doch die Behandlung zeigte keinerlei Verbesserung. Im Gegenteil, die Schmerzen wurden stärker. Im Dezember 2009 ließ sie ihren rechten Unterarm röntgen: Die Ärzte stellten einen Abszess im Knochen fest. Viermal musste die 21-Jährige daraufhin im Januar 2010 in der Plastisch- und Handchirurgischen Klinik von Prof. Dr. Raymund Horch operiert werden. Ihm und seinem Team gelang es, die akute Knochenvereiterung auszuheilen. Zurück blieb jedoch ein großer Knochendefekt. Um diesen zu verschließen, beschlossen die Ärzte, ein neues Verfahren anzuwenden: das sogenannte Tissue Engineering (Gewebezüchtung). Diese Methode war bisher erst einmal erfolgreich durchgeführt worden.

Die Klinik von Prof. Horch, seit dem Jahr 2007 eigenständig, umfasst das gesamte Spektrum der modernen Plastischen Chirurgie: Ästhetische, Rekonstruktive, Kraniofaziale, Verbrennungs- sowie Handchirurgie. Die methodischen Besonderheiten Mikrochirurgie, Laserchirurgie und Endoskopie werden in all diesen Bereichen eingesetzt. Zu den Hauptaufgaben der Plastischen Chirurgen gehört es, verloren gegangene Körperteile und -funktionen wiederherzustellen oder zu verbessern. Gründe für solche Defekte oder Deformierungen können beispielsweise Unfälle, Krankheiten oder angeborene Fehlbildungen sein. Viele neue Erkenntnisse haben in den vergangenen Jahrzehnten dazu beigetragen, diese Wiederherstellungen sowohl von Organen als auch Gewebeteilen entscheidend voranzubringen. Bisher glückten derartige Defektbehebungen allerdings in den meisten Fällen nur mithilfe eines Transfers von Gewebe: Es wurde an einem gesunden Körperabschnitt des Patienten entfernt und am Defekt wieder eingepflanzt. Der Nachteil daran: "Dieses Verfahren bringt Sekundärschäden mit sich und führt zur Deformierung einer eigentlich gesunden Stelle am Körper des Patienten", erklärt Prof. Horch. Zusätzlich können die Behandelten unter Umständen an Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen an der Spenderstelle leiden.

Seit Langem suchen Wissenschaftler weltweit deshalb nach einer neuen Methode, die es ermöglicht, Eigengewebe - wie Knorpel-, Muskel- oder Hautgewebe - heranzuzüchten, um es danach zu implantieren. Dieses Verfahren des Tissue Engineering zählt heute zu den zentralen Technologien der regenerativen Medizin, "die versucht, den Körper mit ins Boot zu nehmen", verdeutlicht der Erlanger Klinikdirektor.

 
 
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
 
 
 
Bitte tragen Sie Ihren Namen und gültige E-Mail-Adresse(n) ein!
X zum Schließen

Zusammenfassung