Immuntherapie

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Immun dank Injektion

Um das Leben eines Leukämiekranken mit einer Stammzelltransplantation retten zu können, muss zunächst sein Immunsystem zerstört werden. Das macht ihn angreifbar. Erlanger Forscher haben einen Weg gefunden, diese Sicherheitslücke zu schließen.

Ein Immunsystem in der Spritze: Hinter diesem Foto, das bei der Behandlung des weltweit ersten Patienten mit dem neuen Erlanger Verfahren entstand, stecken zehn Jahre Forschung. Nun wollen die Ärzte zeigen, dass der bisher nur im Labor untersuchte Therapieweg auch Menschen effizient helfen kann. Foto: Uni-Klinikum Erlangen

Als ob eine schwere Erkrankung nicht schon genug wäre. Ist der menschliche Körper erst einmal geschwächt, ist es für Krankheitserreger ein Leichtes, die Barrieren des Immunsystems zu überwinden und gesunde Zellen anzugreifen. Wenn sich auf diese Weise zum Schnupfen noch ein Husten gesellt, ist das normalerweise nur ärgerlich - bei Leukämiepatienten wird es jedoch schnell lebensgefährlich.

In der Medizinischen Klinik 5 - Hämatologie und Internistische Onkologie des Uni-Klinikums Erlangen werden jährlich rund 700 Patienten mit Erkrankungen des blutbildenden Systems behandelt: Dies sind akute und chronische Leukämien sowie bösartige Tumoren des Lymphgewebes (Lymphome). "Wir bieten die ganze Bandbreite der modernen Therapiemöglichkeiten an", sagt Klinikdirektor Prof. Dr. Andreas Mackensen, "unter anderem die autologe, die allogene und auch die haploidente Stammzelltransplantation." (s. Legende S. 4) Bei allen drei Varianten handelt es sich um etablierte Verfahren. Weltweit betrachtet konnte im Jahr 2013 dem einmillionsten Patienten mit einer Stammzelltransplantation geholfen werden. "In vielen Fällen ist diese Therapie die einzige und somit auch die letzte Chance für den Erkrankten", erläutert Prof. Mackensen. "Deswegen und weil sie nicht ganz ohne Risiken ist, müssen wir besonders vorsichtig vorgehen und so viele Eventualitäten wie nur irgend möglich ausschließen."

Bei einer Stammzelltransplantation muss sich der Patient zunächst einer Chemotherapie mit hoher Dosis unterziehen. Durch die Verabreichung von Zytostatika werden die Krebszellen gezielt an der Teilung und am Wachstum gehindert. Ziel der Behandlung ist es, möglichst alle bösartigen Zellen abzutöten und gesundes Gewebe dabei tunlichst zu schonen. "Einfacher gesagt als getan, denn die applizierten Medikamente sind keine denkenden Wesen, die böse Zellen attackieren und gute verschonen", erklärt Andreas Mackensen. "Im Fall von Leukämie, dem sogenannten Blutkrebs, zerstören wir durch die Chemotherapie nicht nur die kranken, sondern leider auch die gesunden blutbildenden Stammzellen." Um die Blutbildung im Knochenmark anschließend wiederherzustellen, erhält der Patient deshalb eine Stammzelltransplantation. Beim allogenen und beim haploidenten Verfahren befinden sich in dem Blut, das übertragen wird, allerdings auch noch Immunzellen des Spenders. Für diese ist der Körper des Empfängers fremd, sie "erkennen" seine Zellen als Eindringlinge - und greifen an. "Um diese überschießende Immunreaktion zu verhindern, unterdrücken wir das Immunsystem mithilfe von Arzneimitteln", sagt Dr. Julia Winkler, Oberärztin der Medizin 5. "Und das ist die Krux, denn ohne Immunabwehr besteht ein äußerst hohes Infektionsrisiko. Diese Sicherheitslücke ist allerdings unvermeidbar. Ob wir wollen oder nicht, wir müssen sie in Kauf nehmen." Um den frisch Transplantierten so gut wie möglich zu schützen, wird er in einem speziellen Zimmer untergebracht, das sowohl Ärzte als auch Pflegekräfte und Angehörige nur mit Mundschutz und Handschuhen betreten dürfen - aber hundertprozentigen Schutz kann natürlich niemand gewährleisten.

 
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