Immuntherapien und zielgerichtete Therapien

25 Fallbeispiele Morbus Crohn In der Sprechstunde der Medizin 1 für chronischent- zündliche Darmerkrankungen (CED) stellte sich erstmalig ein 34-jähriger Patient mit einem vor fünf Jahren diagnostizierten Morbus Crohn vor. Unsere sonografische Untersuchung zeigte ent- zündliche Veränderungen im Bereich des Dickdarms und am Übergang von Dick- zu Dünndarm. Seit Diagnosestellung hatte der Patient wiederkehrende Schmerzen im Bereich des rechten Unterbauchs sowie mehrmals (fünf- bis achtmal) am Tag Stuhlgang mit hoher Dringlichkeit. Seit drei Jahren nahm er kontinuierlich Kortison in ver- schiedenen Dosierungen ein, ohne anhaltende Beschwerdefreiheit zu erreichen. Die Reduktion der Kortison-Dosierung verschlechterte die Krank- heitssymptomatik. Starke berufliche und private Einschränkungen und die Kortison-assoziierten Nebenwirkungen (Gewichtszunahme, Knochen- schwund, psychische Beeinträchtigung) belasteten ihn sehr. Eine dringlich notwendige Umstellung der bestehenden Therapie wurde besprochen. Wir stellten dem Patienten die zur Behandlung des Morbus Crohn zugelassenen zielgerichteten Thera- pien (Antikörper, Immunmodulatoren) vor. Gemein- sam mit ihm wählten wir die für sein Krankheits- geschehen passendste Medikation (spezifische Antikörper-Therapie, mittels Infusion verabreicht). Diese Therapie wurde bei uns am DZI nach ent- sprechenden Voruntersuchungen eingeleitet, im weiteren Verlauf ärztlich kontrolliert und die Thera- pie entsprechend angepasst. Innerhalb weniger Wochen verbesserte sich der Zustand des Pati- enten: reduzierte Anzahl/Dringlichkeit der Stuhl- gänge, keine Bauchschmerzen mehr, deutliche Steigerung der Lebensqualität und der berufli- chen und privaten Leistungsfähigkeit. Aufgrund des sehr guten Ansprechens auf die eingeleitete Therapie konnte die langjährig bestehende Kortison-Therapie nicht nur schrittweise reduziert, sondern sogar beendet werden. Eine Darmspie- gelung zeigte die Abheilung der Darmschleim- haut. Die erfolgreiche Therapieeinleitung stellte die komplette Lebensqualität des Patienten wie- der her und verhinderte bleibende strukturelle Schäden des Darms.

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