Immuntherapien und zielgerichtete Therapien

29 Uniklinikum Erlangen therapiert. In der ersten veröffentlichten Arbeit erhielten sechs Patientinnen und Patienten mit schwerer, multitherapierefraktärer RA den CD19xCD3-bispezifi- schen T-Zell-Engager Blinatumomab (sogenannte Off-Label-Therapie). Die Behandlung erfolgte mit einer sehr geringen Dosis – ein Vielfaches unterhalb der Menge, die in anderen hämatologischen Erkrankungen ein- gesetzt wird. Alle Patientinnen und Patienten hatten zuvor zahlreiche krankheitsmodifizie- rende Therapien erhalten, darunter Methotrexat, Leflunomid, TNF-Inhibitoren, JAK-Inhibitoren und ein Großteil auch bereits Rituximab und Abatacept. Die Behandlung wurde gut vertragen, es traten keine schwerwiegenden Nebenwirkungen auf, insbesondere kein klinisch relevantes Zytokinfreisetzungssyndrom und keine Neurotoxizität. Lediglich ein vorübergehender Anstieg des C-reaktiven Proteins sowie eine kurzfristige leichte Temperaturerhöhung während der ersten Infusion wurden beobachtet, beides typische Zeichen dafür, dass die T-Zellen aktiv geworden waren und ihre Arbeit aufgenommen hatten. Diese Reaktion blieb auf die erste Infusion beschränkt und trat beim zweiten Zyklus nicht mehr auf. Blinatumomab entfaltete eine bemerkenswerte Wirkung auf das B-Zell-Kompartiment. Bereits we- nige Tage nach Beginn der ersten Infusion waren die B-Zellen im Blut nahezu vollständig verschwun- den. Besonders auffällig war dabei, dass vorwie- gend die sogenannten Gedächtnis-B-Zellen elimi- niert wurden, also jene Zellen, die für die langfris- tige Aufrechterhaltung der Autoimmunreaktion verantwortlich gemacht werden. Nach Abschluss der Behandlung wurden diese Gedächtnis-B-Zellen durch junge, nicht-klassen-wechsel-vollzogene naive B-Zellen ersetzt, was als Zeichen einer im- munologischen Neuausrichtung gewertet werden kann, ganz ähnlich wie es nach einer CD19-CAR- T-Zell-Therapie beobachtet wird.

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