Zum Hauptinhalt springenSkip to page footer

Entlastung für den „größten Pflegedienst Deutschlands“

Entlastung für den „größten Pflegedienst Deutschlands“

Kraft schöpfen in Oberstdorf: Neues Kurangebot des Zentrums für Medizinische Versorgungsforschung am Uniklinikum Erlangen für berufstätige pflegende Angehörige

In neun von zehn Fällen erfolgt die häusliche Versorgung von Pflegebedürftigen durch Privatpersonen – meist durch nahestehende Verwandte wie die Tochter oder den Partner. Für die Pflegenden stellt der Alltag oft eine große Herausforderung dar. Besonders dann, wenn sie zugleich einer Erwerbstätigkeit nachgehen: Freie Minuten für Schlaf, Freundschaften, Hobbys oder Zeit für sich bleiben kaum. Auf Dauer kann sich diese körperliche und seelische Belastung negativ auf die Gesundheit der Pflegenden auswirken – und auch die Qualität der Pflege leidet darunter. Aus diesem Grund hat ein Forschungsteam um PD Dr. Anna Pendergrass, Leiterin der Arbeitsgruppe Angehörigenforschung am Zentrum für Medizinische Versorgungsforschung (Leiter: Prof. Dr. Elmar Gräßel) der Psychiatrischen und Psychotherapeutischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Johannes Kornhuber) des Uniklinikums Erlangen, in Kooperation mit Tourismus Oberstdorf und der Klinik Hohes Licht in Oberstdorf, ein zusätzliches Kurangebot entwickelt, das speziell auf die Lebenssituation pflegender Angehöriger zugeschnitten ist. Für den ersten Durchgang im Frühjahr 2026 sucht das Projektteam nun Menschen, die eine pflegebedürftige verwandte Person zu Hause versorgen und an dem neuen zweiwöchigen Entlastungsangebot teilnehmen möchten. „Die Kur soll berufstätige pflegende Angehörige darin unterstützen, Kraft zu schöpfen, sich zu erholen und neue Wege im Umgang mit ihren täglichen Herausforderungen zu finden“, erklärt Prof. Dr. Elmar Gräßel und ermutigt: „Hilfe anzunehmen ist keine Schwäche, sondern eine wahre Stärke.“

Zwei Wochen Auszeit 

An zwei Terminen im Frühjahr 2026 (20. bis 30. April oder 11. bis 22. Mai) können pflegende Angehörige eine jeweils knapp zweiwöchige ambulante Kompaktkur in Oberstdorf wahrnehmen. Das Kurprogramm beinhaltet Bewegungseinheiten, Kneipp-Anwendungen, Entspannungsübungen und Gespräche in Form von psychosozialen Gruppensitzungen. Es bietet den Teilnehmenden den Raum, im heilklimatischen Kurort Oberstdorf neue Energie zu schöpfen, über Belastungen zu sprechen, Erfahrungen zu teilen und gemeinsam Strategien im Umgang mit Stress, Verantwortung und Selbstfürsorge zu entwickeln. „Nur wer gut für sich selbst sorgt, kann auch für die zu betreuende Person langfristig da sein“, bekräftigt Prof. Gräßel. Das Kurprogramm selbst ist kostenlos. Die Kosten für An- und Abreise sind selbst zu tragen; die Übernachtung vor Ort wird pro Nacht mit 80 Euro bezuschusst. 

Zurück in den Alltag – aber nicht allein 

Auch nach dem Aufenthalt sind die pflegenden Angehörigen nicht auf sich allein gestellt: Es folgt eine neunmonatige digitale Begleitphase, in der die Teilnehmenden darin unterstützt werden, das in der Kur Gelernte Schritt für Schritt in den Alltag zu integrieren – es also auch dann umzusetzen, wenn die Pflege wieder mehr Raum einnimmt. Im Januar 2027 findet zudem ein Auffrischungskurs statt, der entweder in Form eines einwöchigen Aufenthalts in Oberstdorf oder einer zweitägigen digitalen Intensivbetreuung angeboten wird. „Mit dem Pilotprojekt möchten wir herausfinden, wie gut das neue Kurmodell angenommen wird und welchen Einfluss es auf das Wohlbefinden pflegender Angehöriger hat. Unser langfristiges Ziel ist es, daraus ein verlässliches und wirksames Unterstützungsangebot zu entwickeln“, ordnet Studienleiterin PD Pendergrass ein.

Teilnahmevoraussetzungen

Teilnehmen können berufstätige volljährige pflegende Angehörige, die eine nahestehende Person mit Pflegegrad 1 bis 4 zu Hause betreuen oder versorgen. „Wichtig ist, dass die Pflege der Person während des Kuraufenthalts sichergestellt ist“, sagt PD Pendergrass. Hierfür könne etwa ab Pflegegrad 2 eine Verhinderungs- oder Kurzzeitpflege beantragt werden. Pflegekassen, Pflegestützpunkte und Pflegeberatungsstellen stehen diesbezüglich mit umfassender Beratung beiseite. Weitere Details zur Kur, zu den Teilnahmevoraussetzungen, zum Programmablauf und zur Anmeldung finden Interessierte außerdem auf der Projektwebseite: www.uker.de/pspakur. 

Gemeinsam stark 

Die Entlastungskur findet in Kooperation mit Tourismus Oberstdorf und der Klinik Hohes Licht in Oberstdorf statt. Die südlichste Gemeinde Deutschlands liegt inmitten der Allgäuer Alpen und bietet mit ihrer besonderen Bergnatur ideale Voraussetzungen zum Durchatmen, für Bewegung und Regeneration. Klaus King, Erster Bürgermeister des Marktes Oberstdorf, zeigt sich erfreut: „Pflegende Angehörige leisten tagtäglich Großartiges und tragen eine enorme Verantwortung. Sie verdienen Wertschätzung und Unterstützung. Es macht uns stolz, dass wir diesem Personenkreis als heilklimatischer Kurort ,Premium Class‘ und Kneippkurort einen Ort bieten, an dem sie zur Ruhe kommen und neue Kraft schöpfen können.“Das gesamte Projekt wird vom Bayrischen Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention gefördert.

Weitere Informationen:

PD Dr. Anna Pendergrass
09131 85-34142 (montags bis donnerstags, 9.00 bis 15.00 Uhr)
pakur.ps(at)uk-erlangen.de