Praktische Unterstützung bei ethischen Fragestellungen
Ethische Fragen sind Teil des Klinischen Alltags: Wie kann man den mutmaßlichen Willen von Patientinnen und Patienten ermitteln? Können Patientinnen und Patienten medizinisch indizierte und sinnvolle Maßnahmen einfach so ablehnen? Was kann ich tun, wenn ganz unterschiedliche Haltungen dazu bestehen, was das richtige Vorgehen ist? Ist alles, was medizinisch möglich ist, auch sinnvoll? Welches Therapieziel und welche Maßnahmen sind für Patientinnen und Patienten individuell die besten?
Dabei können Fragen etwa nach der persönlichen Bewertung von Lebensqualität, der Sinnhaftigkeit von Maßnahmen oder unterschiedlichen Haltungen zum moralisch „richtigen“ Vorgehen auch zu Unsicherheiten oder Konflikten führen.
Im Rahmen der Klinischen Ethikberatung haben Klinikmitarbeitende, Patientinnen und Patienten sowie deren An- und Zugehörige die Möglichkeit, ethisch schwierige Situationen professionell unterstützt zu besprechen. Die moderierten Gespräche zielen darauf ab, alle Perspektiven sichtbar zu machen, zu diskutieren und gemeinsam den Weg zu einem ethisch gut begründeten weiteren Vorgehen zu finden.
Stabsabteilung Klinische Ethik
Leitung
Dr. Caroline Hack
Mitarbeitende
Nadine Lehr, B. A.
Dr. Evelyn Glotzbach-Schoon
Wer kann eine ethische Fallberatung anfragen und wie?
- Alle Mitarbeitenden des Uniklinikums Erlangen (alle Professionen), Patientinnen und Patienten des Uniklinikums Erlangen und deren An- und Zugehörige können eine Ethische Fallberatung anfragen.
- Sie erreichen die Mitarbeiterinnen der Stabsabteilung Klinische Ethik telefonisch oder per E-Mail.
Mitarbeitende des Uniklinikums Erlangen haben zusätzlich die Möglichkeit ein Konsil über Orbis zu stellen.
Welche Formen der Ethischen Fallberatung gibt es?
- Die „klassische“ oder prospektive Ethische Fallberatung dient dazu, gemeinsam mit dem Behandlungsteam und dem/der Patienten/Patientin sowie deren An- und Zugehörige ethische Fragen im aktuell laufenden Behandlungsprozess zu besprechen und unterstützt dabei, eine gemeinsame Entscheidungsgrundlage zu entwickeln.
- Für Behandlungsteams gibt es zusätzlich noch zwei weitere teaminterne Beratungsmöglichkeiten: Im Rahmen einer regelmäßigen Ethikvisite auf Station (bspw. alle 4 Wochen) können ethische Frage niedrigschwellig und frühzeitig besprochen werden (präventive ethische Fallberatung). Die retrospektive Fallberatung dient hingegen der Nachbesprechung vergangener Behandlungssituationen/-verläufe, die mit besonderen Belastungen durch z. B. Haltungsdifferenzen oder (ungeklärte) ethische Fragen einhergingen.
Wie läuft sowas ab?
- Vor der Beratung wird die ethische Fragestellung geklärt, aber auch, wer für die Bearbeitung der Frage beim Gespräch anwesend sein sollte, welche Informationen im Vorfeld benötigt werden, wann und wo die Beratung stattfinden soll.
- Zur Beratung kommen zwei bis drei Personen unseres Teams direkt auf die Station.
Ziele ethischer Beratungsgespräche sind unter anderem:
- Alle Perspektiven zu hören und zu diskutieren
- Die ethischen Aspekte zu strukturieren, analysieren, sortieren und fallspezifisch, bezogen auf die individuelle Person/Situation, abzuwägen
- Patientinnen und Patienten, Angehörige und Behandlungsteams in komplexen Versorgungskonstellationen, Bewertungs- und Entscheidungsprozessen zu entlasten
- Die multiprofessionelle, ethisch reflektierte Bewertung und Entscheidungsfindung zu befördern
- Ein gemeinsam getragenes weiteres Vorgehen zu erreichen
- Die Ergebnisse der Ethischen Fallberatungen sind Empfehlungen, die Orientierung geben sollen für das weitere Vorgehen – aber nicht bindend sind. Die Entscheidungsverantwortung verbleibt immer beim jeweiligen Behandlungsteam, bei dem/der Patienten/Patientin bzw. den Bevollmächtigten.
- Wir dokumentieren die Beratung und stellen zeitnah ein Beratungsprotokoll zu Verfügung.
Worum kann es in der Ethischen Fallberatung gehen?
- Probleme oder Unsicherheiten, die im Umgang mit ethischen Fragestellungen im Kontext der Patientenversorgung entstehen, z.B. Ermittlung des mutmaßlichen Patientenwillens bei nicht-einwilligungsfähigen Patienten.
- Konflikte, die entstehen, wenn bei der ethischen Bewertung Uneinigkeit besteht (im Team, mit Patientinnen und Patienten oder deren Angehörigen), z.B. bei der Bewertung von individueller Lebensqualität, von Behandlungswünschen oder der Sinnhaftigkeit von Therapiemaßnahmen.
- Entscheidungssituationen, bei denen eine klare „gute“ Lösung nur schwer oder nicht möglich ist, da alle Optionen mit großen Risiken verbunden sind (Ethisches Dilemma), weshalb eine Abwägung nötig wird.
- Ethische Fragestellungen und Herausforderungen in der Praxis können sehr vielgestaltig sein. Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob eine Ethikberatung das geeignete Beratungsinstrument für Sie ist, sprechen Sie uns gerne einfach an, per E-Mail oder telefonisch wir klären gerne gemeinsam Ihre Fragen.
Wer führt die Ethischen Fallberatungen durch?
- Unser Team besteht aus zertifizierten Ethikberatenden und Personen, die in Bereichen der Beratung, Moderation oder Konfliktkommunikation geschult sind. Wir führen Ethikberatungen auf Basis der Qualitätsstandards der Akademie für Ethik in der Medizin (AEM) durch.
- Hauptverantwortlich für die Durchführung aller Arten von Ethischen Fallberatungen sind die Mitarbeiterinnen der Stabsabteilung Klinische Ethik
- Dr. Caroline Hack, Trainerin für Ethikberatung im Gesundheitswesen (K3)
- Nadine Lehr, B. A., Koordinatorin für Ethikberatung im Gesundheitswesen (K2)
- Dr. Evelyn Glotzbach-Schoon, Ethikberaterin im Gesundheitswesen (K1)
- Die Arbeitsgruppe „Ethikberatung“ des Klinischen Ethikkomitees unterstützt bei der Durchführung der Ethischen Fallberatungen. Die Mitglieder der Arbeitsgruppe besitzen ebenfalls die Qualifikation als Ethikberatende nach AEM oder befinden sich gerade in der Ausbildung zum Ethikberatenden.






