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Förderung innovativer Gesundheitsprojekte am Uni-Klinikum Erlangen

Förderung innovativer Gesundheitsprojekte am Uni-Klinikum Erlangen

Fachausschuss für Gesundheit und Pflege des Bayerischen Landtags übergibt finanzielle Förderung für Forschung, neue Therapien und medizinische Ausbildung

Der Fortschritt in der Medizin hat in den vergangenen Jahrzehnten rasant zugenommen. Dennoch gibt es immer noch viele Erkrankungen, für die es bisher keine oder kaum Heilung gibt. Um die Mechanismen des menschlichen Körpers besser zu verstehen und neue Therapien zu entwickeln, sind innovative Forschungsansätze und die Übertragung von Studienergebnissen in den klinischen Alltag essenziell. Ein weiterer wichtiger Baustein für eine umfassende Versorgung von Patientinnen und Patienten ist die erstklassige Ausbildung des medizinischen Personals. Das Universitätsklinikum Erlangen erhielt für verschiedene Forschungs- und Lehrprojekte jetzt eine umfangreiche finanzielle Förderung des Freistaats Bayern. In diesem Rahmen informierte sich Bernhard Seidenath, Vorsitzender des Fachausschusses für Gesundheit und Pflege im Bayerischen Landtag, vor Ort über ein aktuelles Forschungsprojekt zugunsten von Menschen, die an Myalgischer Enzephalomyelitis/Chronischem Fatigue-Syndrom (ME/CFS) leiden, über die neuesten Erkenntnisse im Bereich der Nanomedizin und über den im Herbst 2021 eingeführten Hebammenstudiengang.

Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom (ME/CFS) klingt kompliziert und ist es auch. Die chronische Erkrankung kann sich sowohl auf das zentrale und das vegetative Nervensystem als auch auf das Immunsystem und den Stoffwechsel auswirken. In manchen Fällen können Betroffene bereits nach geringsten Belastungen erschöpft sein. Außerdem können sie unter Schmerzen, Schlafstörungen und bei schweren Verläufen dauerhafter Bettlägerigkeit sowie begleitender Depressionen und sozialer Isolation leiden. Die Ursachen und der Mechanismus der Erkrankung sind bis heute nicht geklärt. Als Auslöser werden das Eppstein-Barr-Virus, Influenza sowie Stoffwechselstörungen oder Autoimmunerkrankungen diskutiert. Um neue Erkenntnisse zu erhalten und für die Patientinnen und Patienten Behandlungskonzepte zu entwickeln, sind innovative Forschungsprojekte wie die unCOVer-Studie von PD Dr. Dr. Bettina Hohberger an der Augenklinik (Direktor: Prof. Dr. Friedrich E. Kruse) des Uni-Klinikums Erlangen wichtig. „Ein Hoffnungsschimmer für ME/CFS-Erkrankte könnte in unserer Long-COVID-Forschung liegen“, erklärte Bettina Hohberger, „da beide Erkrankungen sehr ähnliche Symptome aufweisen. Inzwischen konnten wir in individuellen Heilversuchen einige Long-COVID-Patientinnen und -Patienten mit dem Wirkstoff BC 007 erfolgreich behandeln. BC 007 macht sogenannte Autoantikörper unschädlich, die sich gegen körpereigene Proteine richten.“ Dank der jetzt übergebenen Förderung über 800.000 Euro durch den Freistaat Bayern kann das Forschungsprojekt zu BC 007 nun auch auf ME/CFS ausgeweitet werden.

Medizin von morgen

Ein weiteres vielversprechendes Forschungsfeld, das die Diagnostik und die Therapie verschiedener Erkrankungen verbessern soll, ist die Nanotechnologie. Die Sektion für Experimentelle Onkologie und Nanomedizin (SEON; Leiter: Prof. Dr. Christoph Alexiou) in der Hals-Nasen-Ohren-Klinik – Kopf- und Halschirurgie (Direktor: Prof. Dr. Dr. h. c. Heinrich Iro) am Uni-Klinikum Erlangen möchte die Errungenschaften aus der Erforschung von Nanopartikeln im translationalen Prozess voranbringen. In zahlreichen Experimenten konnten Prof. Alexiou und sein Team bereits nachweisen, dass sich durch die Nanomedizin etwa bei einer Sepsis der Zeitraum vom Auftreten der ersten Symptome bis zur eindeutigen Diagnose um mehrere Tage verkürzen lässt. Diese Erkenntnisse können viele Leben retten. Auch im Bereich der Onkologie kann die Nanomedizin zu einer effizienteren und nebenwirkungsärmeren Therapie beitragen: So können mit bestimmten Wirkstoffen versetzte, magnetische Nanopartikel von außen mit einem Magnet-Roboter gezielt zu einem Tumor transportiert werden. „Die Ergebnisse unserer Forschung in die klinische Praxis zu überführen, ist die große Herausforderung der Nanomedizin“, so Prof. Alexiou.

Geburtsbegleitung auf höchstem Niveau

Neben der Forschung wird der Bayerische Landtag auch die praktische Ausbildung von medizinischem Personal mit 550.000 Euro unterstützen. Seit dem Wintersemester 2021/22 hat die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg den Studiengang Hebammenwissenschaften aufgelegt und wird damit den gestiegenen Anforderungen an einen Jahrtausende alten Beruf gerecht. „Vor allem im Umfeld eines Universitätsklinikums der höchsten Versorgungsstufe müssen Hebammen für Geburten mit besonderen Risiken vorbereitet sein“, betont Prof. Dr. Matthias W. Beckmann, Leiter des Studiengangs und Direktor der Frauenklinik des Uni-Klinikums Erlangen. „Damit angehende Hebammen relevante Praxiserfahrungen sammeln können, werden wir bei uns ein vielfältig nutzbares Skills-Lab integrieren. In diesem hochmodernen Simulationskreißsaal können die Studierenden beispielsweise schwierige Momente während des Geburtsvorgangs an Modellen üben oder erfahren, wie bei einem Notkaiserschnitt zu handeln ist.“

Weitere Informationen:

Johannes Eissing

presse(at)uk-erlangen.de