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Uni-Klinikum, Medizinische Fakultät, Deutsches Zentrum Immuntherapie, Medizin 1

Neues Medikament gegen Darmerkrankung Colitis ulcerosa getestet

Internationale klinische Phase-II-Studie unter Erlanger Leitung veröffentlicht

Colitis ulcerosa ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung (CED), die weltweit immer häufiger vorkommt. Die Patienten leiden an anhaltenden blutigen Durchfällen und krampfartigen Bauchschmerzen, die die Lebensqualität oft stark beeinträchtigen. Therapieziel ist es, einen akuten Schub der Erkrankung erfolgreich zu behandeln, erneute Schübe zu verhindern und die entzündlichen Veränderungen der Darmschleimhaut zum Abheilen zu bringen. Prof. Dr. Raja Atreya, Leiter des Schwerpunkts CED sowie Oberarzt der Medizinischen Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie (Direktor: Prof Dr. Markus F. Neurath) und des Deutschen Zentrums Immuntherapie am Universitätsklinikum Erlangen, leitete deshalb eine klinische Phase-II-Studie an 91 Zentren in zwölf europäischen Ländern, die einen neuartigen Behandlungsansatz zur Behandlung der Colitis ulcerosa testete. Die Ergebnisse wurden jetzt im Fachmagazin Lancet Gastroenterology & Hepatology veröffentlicht.
Prof. Dr. Raja Atreya erklärt einer Patientin die Wirkweise der Colitis-ulcerosa-Therapie im entzündeten Darm. Foto: Franziska Männel/Uni-Klinikum Erlangen

Im Rahmen der von Prof. Atreya geleiteten klinischen Studie wurde der neue Wirkstoff Cobitolimod lokal als Klysma (Einlauf) bei Colitis-ulcerosa-Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Krankheitsaktivität eingesetzt. „Die Mehrzahl der Colitis-ulcerosa-Patienten ist von der sogenannten linksseitigen Colitis betroffen. In die Studie wurden deshalb gezielt Patienten mit linksseitiger Ausdehnung der Darmentzündung eingeschlossen. Bei diesen Probanden werden die entzündeten Areale mit dem als Klysma verabreichten Wirkstoff gezielt und komplett bedeckt. Die anderen von der Entzündung nicht betroffenen Abschnitte des Dickdarms bleiben hingegen frei“, erläutert Raja Atreya.

Der Wirkstoff Cobitolimod bindet an einen spezifischen Rezeptor – den Toll-like Rezeptor 9 (TLR9). Dieser erkennt Strukturen, die ausschließlich auf oder in Krankheitserregern vorkommen. Dank dieser Bindung wird das körpereigene Immunsystem der behandelten Patienten moduliert. „Schon 2019 haben wir unter Federführung von Dr. Heike Schmitt aus meiner Arbeitsgruppe den Wirkmechanismus des neuen Medikaments entschlüsselt“, sagt Prof. Atreya. „Wir konnten zeigen, dass Cobitolimod durch die Modulation des Rezeptors TLR9 in der Lage ist, die Bildung von entzündungsfördernden Zellen im Darm zu unterdrücken und dafür die Bildung von entzündungshemmenden Zellen zu stimulieren, die letztlich die Entzündung im Darm zurückdrängen.“

Für die klinische Phase-II-Studie, die vor allem die Wirksamkeit, den Dosierungsrahmen und die Sicherheit von Cobitolimod ermitteln sollte, wurden 213 Patienten mit mittelschwerer bis schwerer linksseitiger Colitis ulcerosa nach dem Zufallsprinzip in Gruppen eingeteilt. Ihnen wurden innerhalb von drei Wochen entweder verschiedene Dosen von Cobitolimod (zweimal 31 Milligramm, zweimal 125 Milligramm, viermal 125 Milligramm oder zweimal 250 Milligramm) oder ein Scheinmedikament (Placebo) als Klysma verabreicht. Die Behandlung zielte darauf ab, die klinische Erkrankungsaktivität zu stoppen und die entzündete Darmschleimhaut zum Abheilen zu bringen (klinische Remission).

Für diejenigen Patienten, die mit zweimal 250 Milligramm Cobitolimod die jeweils höchste Dosierung bekamen – zu Beginn und drei Wochen später –, konnte eine statistisch signifikante Überlegenheit gegenüber dem Placebo nachgewiesen werden. Mit zweimal 250 Milligramm Cobitolimod erreichten 21,4 Prozent der Behandelten die gewünschte klinische Remission bereits zu Woche sechs. Bei den mit dem Placebo behandelten Patienten waren es nur 6,8 Prozent.

„Aufgrund der lokalen Applikation als Klysma erreicht der Wirkstoff am Ort der Entzündung im Darm eine hohe Konzentration und wir erzielen dort einen sehr starken antientzündlichen Effekt. Die lokale Anwendung als Klysma sorgt auch für die Sicherheit und gute Verträglichkeit des Medikaments, da der gesamte Körper nur minimalsten Mengen der Substanz ausgesetzt wird“, erläutert Raja Atreya. „Das spiegelt sich auch darin wider, dass es durch Cobitolimod bei den Behandelten – im Vergleich zur Placebogruppe – keine zusätzlichen Nebenwirkungen gab.“

Mit International Award ausgezeichnet

Für die aktuelle Studie wurde Prof. Atreya mit dem International Award der renommierten US-amerikanischen Fachgesellschaft American College of Gastroenterology ausgezeichnet. Eine weitere klinische Studie zu Cobitolimod, die im Idealfall zur Zulassung des Medikaments zur Behandlung der Colitis ulcerosa führt, befindet sich bereits in Planung.

Link zur Studie: https://www.thelancet.com/journals/langas/article/PIIS2468-1253(20)30301-0/fulltext

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Raja Atreya
Telefon: 09131 85-35204
E-Mail: raja.atreyaatuk-erlangen.de