Schilddrüsenknoten im Fokus
Allgemeinmedizin und HNO-Klinik des Uniklinikums Erlangen stärken die gezielte Diagnostik von Schilddrüsenknoten
Schilddrüsenknoten sind weit verbreitet – vor allem in Franken treten sie aufgrund eines historischen Jodmangels besonders häufig auf. In der Mehrzahl der Fälle sind die Gewebeveränderungen allerdings gutartig. Trotz dieses Wissens werden häufig ohne medizinischen Anlass Ultraschalluntersuchungen eingesetzt. Die Folge: Zufallsbefunde meist harmloser Veränderungen, die oft gesundheitlich nicht notwendige Untersuchungen, Verlaufskontrollen oder Eingriffe nach sich ziehen. „Die Diagnose eines Schilddrüsenknotens löst bei vielen Patientinnen und Patienten eine große Verunsicherung aus“, betont PD Dr. Matti Sievert, geschäftsführender Oberarzt und Leiter der Funktionsabteilung Schilddrüsenchirurgie der Hals-Nasen-Ohren-Klinik – Kopf- und Halschirurgie des Uniklinikums Erlangen. „Die Herausforderung bei der Diagnostik ist, die wenigen wirklich behandlungsbedürftigen Befunde zuverlässig zu erkennen, ohne eine nicht erforderliche Behandlung anzustoßen.“ Deshalb setzt sich die HNO-Klinik gemeinsam mit dem Allgemeinmedizinischen Institut des Uniklinikums Erlangen für die leitlinienbasierte Abklärung von Schilddrüsenknoten ein.
Den wissenschaftlichen Rahmen bildet die 2026 veröffentlichte S3-Leitlinie „Schilddrüsenknoten bei Erwachsenen in der hausärztlichen Versorgung“ der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin. Forschende der Allgemeinmedizin des Uniklinikums Erlangen haben daran maßgeblich mitgewirkt. Die neue Leitlinie empfiehlt, Schilddrüsenknoten anlassbezogen abzuklären – also vor allem dann, wenn Symptome wie Schluckbeschwerden oder ein starkes Druckgefühl im Hals, Tastbefunde oder andere Hinweise vorliegen. Von einem Ultraschall ohne konkreten Anlass wird hingegen abgeraten. „Unser Ziel ist eine Diagnostik, die das Wohl unserer Patientinnen und Patienten in den Mittelpunkt stellt – dazu gehört, medizinisch relevante Befunde zuverlässig zu erkennen und zugleich eine Überdiagnostik zu vermeiden“, sagt PD Dr. Susann Hueber, Leiterin des Forschungsbereichs der Allgemeinmedizin. „Patientinnen und Patienten profitieren selten davon, einen zufällig entdeckten, beschwerdefreien Schilddrüsenknoten zu kennen. Vielmehr löst ein solcher Befund verständlicherweise Ängste und Sorgen aus. Deshalb ist es wichtig, gemeinsam mit den Betroffenen abzuwägen, ob eine weitere Abklärung tatsächlich sinnvoll ist.“
Expertise in der Ultraschalldiagnostik
Die Empfehlungen der neuen Leitlinie werden auch in der HNO-Klinik konsequent umgesetzt: Hier steht zunächst immer eine sorgfältige Diagnostik im Mittelpunkt. Für Patientinnen und Patienten mit Beschwerden oder auffälligen Tastbefunden nutzt das erfahrene ärztliche Team hochauflösenden Ultraschall und ultraschallgesteuerte Feinnadelpunktion. „Damit stehen uns präzise und risikoarme Untersuchungsmethoden zur Verfügung, mit denen wir behandlungsbedürftige Befunde zuverlässig erkennen und medizinisch nicht notwendige Eingriffe vermeiden können“, erläutert PD Sievert. „Die Ultraschalldiagnostik ist ein unverzichtbares Instrument – aber nur dann, wenn sie gezielt eingesetzt wird.“
Gemeinsam für eine verbesserte hausärztliche Versorgung
Die Erlanger Expertise in der Diagnostik von Schilddrüsenknoten ist am Uniklinikum Erlangen auch Teil der ärztlichen Weiterbildung: Die HNO-Klinik bietet regelmäßig Kurse zur Schilddrüsensonografie für ärztliche Kolleginnen und Kollegen aus Kliniken und niedergelassenen Praxen an, die von der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin zertifiziert sind. Außerdem entwickeln die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Erlanger Allgemeinmedizin derzeit im Rahmen des Forschungsprojekts „DIAMANT-SD“ (SchilddrüsenDIagnostik in der AMbulANTen Versorgung) ein neues evidenzbasiertes Tool: eine Diagnostik-Box, die Hausärztinnen und -ärzten im Praxisalltag bei der Abklärung und Entscheidungsfindung Orientierung geben soll. Diese enthält unter anderem Online-Kursmaterialien der Erlanger HNO-Klinik. „Unser Ziel ist es, die hausärztliche Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Schilddrüsenknoten zu unterstützen – mit einer Diagnostik, die sich am individuellen Risiko und am tatsächlichen Nutzen orientiert“, so PD Hueber.
Wirksame Therapien bei behandlungsbedürftigen Befunden
Patientinnen und Patienten, bei denen Veränderungen der Schilddrüse Beschwerden verursachen oder ein Befund weitere Fragen aufwirft, rät PD Sievert: „Bewahren Sie Ruhe und besprechen Sie gemeinsam mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem behandelnden Arzt, welche weiteren Schritte sinnvoll sind. Bei unklaren oder auffälligen Befunden empfehlen wir eine sorgfältige weitere Abklärung.“ Sollte sich ein Knoten als bösartig oder behandlungsbedürftig erweisen, bietet die Erlanger HNO-Klinik das gesamte Spektrum der Schilddrüsen- und Nebenschilddrüsenchirurgie an. Dazu gehören auch schonende Verfahren wie die minimalinvasive nicht-endoskopische Technik oder die Thermoablation, bei der das Knotengewebe durch eine gezielte Wärmebehandlung nachhaltig zerstört wird.
Weitere Informationen:
PD Dr. Matti Sievert
09131 85-33156
matti.sievert(at)uk-erlangen.de






