Aktuelle Hinweise zur antiviralen Therapie bei COVID-19

Studiendaten deuten darauf hin, dass bei Patienten, die mit SARS-CoV 2 infiziert sind und die Risikofaktoren für einen schweren Krankheitsverlauf haben, die frühzeitige Behandlung mit direkt antiviral wirksamen Pharmaka oder im Einzelfall auch monoklonalen Antikörpern zu einer Reduktion der Viruslast sowie zu einer Reduktion der Krankheitsschwere und der Letalität führen kann.

Antivirale Pharmaka

Derzeit stehen für Patienten/-innen mit milden bis moderaten Symptomen und Risikofaktoren für einen schweren Verlauf (z.B. Lebensalter > 60 Jahre) als ambulante Therapieoptionen Nirmatrelvir/Ritonavir (Paxlovid®) und Molnupiravir (Lagevrio®) zur oralen Therapie sowie Remdesivir (Veklury®) zur intravenösen Therapie zur Verfügung. Paxlovid® und Remdesivir sind zugelassen. Lagevrio® wurde von der Bundesregierung beschafft, ist jedoch noch nicht zugelassen. Beide oralen Präparate können rezeptiert und in jeder Apotheke über den Großhandel bestellt werden.

Die Wirksamkeit der genannten Substanzen ist bei den aktuellen Omikron-Variante vermutlich nicht eingeschränkt.

Eine Entscheidungshilfe zur antiviralen Therapie bei COVID-19 finden Sie bei der Fachgruppe COVRIIN auf den Internetseiten des RKI unter „Antivirale Therapie in der Frühphase einer SARS-CoV-2-Infektion“. Eine interaktive Orientierungshilfe findet sich darüber hinaus unter COVID-19-Therapieempfehlungen: (dgiin.de)

Weitere Informationen zu Nirmatrelvir/Ritonavir (Paxlovid®)

Nirmatrelvir hemmt die SARS-CoV-2-like Protease und Ritonavir verzögert den Abbau von Nirmatrelvir.

  • Die Therapie mit Nirmatrelvir/Ritonavir soll möglichst frühzeitig, d.h. so bald wie möglich nach einem positiven SARS-CoV2-Test und maximal fünf Tage nach Symptombeginn erfolgen.
  • Nirmatrelvir/Ritonavir birgt zahlreiche Interaktionsrisiken. Die Begleitmedikation des Patienten ist daher zwingend auf Interaktionen zu prüfen. Hinweise hierzu bieten beispielsweise eine Übersicht der COVRIIN sowie https://www.covid19-druginteractions.org/
  • Die Therapie erfolgt über 5 Tage, 2 x täglich 300 mg/ 100 mg p.o. (es müssen je 2 Tabletten Nirmatrelvir (pinkfarben) und 1 Tablette Ritonavir (weiß) zeitgleich morgens und abends eingenommen werden), ggf. Dosisreduktion bei Niereninsuffizienz vgl. Fachinfo.  Die Einnahme kann unabhängig von den Mahlzeiten erfolgen.
  • Wesentliche Nebenwirkungen (soweit aus bisherigen Studiendaten bekannt) sind Geschmacksstörungen, Diarrhoe, Kopfschmerzen und Erbrechen.
  • Keine Daten bei unter 18-Jährigen
  • Keine Daten zur Anwendung bei Schwangeren
  • Bei Frauen im gebärfähigen Alter: Empfängnisverhütung während und bis 7d nach der Anwendung empfohlen (Wirksamkeit hormoneller Kontrazeptiva nicht sicher gegeben)

Weitere Informationen zu Molnupiravir (Lagevrio®)

Es handelt sich um ein orales Ribonukleosid-Analogon, das die Vermehrung von SARS-CoV2 hemmt. In jedem Einzelfall muss eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen. Der Patient/die Patientin ist darüber aufzuklären, dass Lagevrio® noch nicht zugelassen ist und die Therapie als ein individueller Heilversuch erfolgt. Darüber hinaus ist über das Risiko für das Auftreten bekannter und bislang unbekannter unerwünschter Arzneimittelwirkungen aufzuklären.

  • Die Therapie mit Molnupiravir soll möglichst frühzeitig, d.h. so bald wie möglich nach einem positiven SARS-CoV2-Test und maximal fünf Tage nach Symptombeginn erfolgen.
  • Molnupiravir ist teratogen (d.h. es kann das Auftreten von Missbildungen fördern). Es darf daher keinesfalls in der Schwangerschaft angewendet werden. Eine sichere Verhütung während und bis 4 Tage nach der Einnahme ist notwendig. Das Stillen sollte pausiert werden. Männer sollten für 3 Monate kein Kind zeugen.
  • Die Therapie erfolgt über 5 Tage, 2 x täglich 800 mg p.o. (= 2 x täglich 4 Kapseln à 200 mg p.o.)
  • Wesentliche Nebenwirkungen (soweit aus bisherigen Studiendaten bekannt) sind Diarrhoe, Übelkeit, Schwindel, Kopfschmerzen.
  • Keine Daten bei unter 18-Jährigen

Monoklonale Antikörper – Therapie

Bei asymptomatischen Infizierten oder ambulant behandelbaren COVID-19-Patienten mit allenfalls milden bis moderaten Symptomen, die Risikofaktoren für einen schweren Verlauf aufweisen, besteht nach individueller ausführlicher Nutzen –Risiko-Abwägung gegebenenfalls die Möglichkeit einer Therapie mit neutralisierenden monoklonalen Antikörpern.

Patienten/-innen mit schweren COVID-Verläufen (z.B. Sauerstoffbedarf) bzw. stark eingeschränktem Allgemeinzustand müssen wie gewohnt über die Notfallaufnahme eingewiesen werden.

Derzeit steht für die Therapie Tixagevimab/Cilgavimab zur Verfügung. Die Wirksamkeit der monoklonalen Antikörper ist gemäß in-vitro Daten allerdings bei den aktuell zirkulierenden Omikron Subvarianten teilweise reduziert.

In jedem Einzelfall muss eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen. Der Patient/die Patientin ist über die Therapie sowie über das Risiko für das Auftreten bekannter und darüber hinaus bislang unbekannter unerwünschter Arzneimittelwirkungen aufzuklären.

Die Therapie mit monoklonalen Antikörpern sollte möglichst frühzeitig, d.h. ca. ≤ 3 Tage nach einem positivem PCR-Test und in der Regel maximal innerhalb von ca. 5 Tagen nach Symptombeginn begonnen werden. Für ambulant versorgbare Patienten ist die Therapie ambulant/teilstationär möglich. Nach derzeitiger Datenlage ergibt sich ein Benefit insbesondere für seronegative Patienten, d.h. wir empfehlen eine Kontaktaufnahme vorrangig bei Patienten mit bekannt fehlendem Impfansprechen unter z.B. Immunsuppression sowie ungeimpften Hochrisikopatienten.

Für Patienten mit fehlendem Impfansprechen (z.B. unter Immunsuppression) weisen wir ebenfalls auf die Möglichkeit der Präexpositionsprophylaxe hin (vgl. S1-Leitlinie SARS-CoV-2 Prä-Expositionsprophylaxe AWMF-Register-Nr. 092-002 sowie Empfehlung der STIKO zur SARS-CoV-2-Prä-Expositionsprophylaxe mit Tixagevimab/Cilgavimab (Evusheld), Epidemiologischen Bulletin 33/2022).

Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage des Paul-Ehrlich-Instituts unter dem Stichwort "monoklonale Antikörper" .

Sollten Sie als Hausarzt/Hausärztin für einen Patienten aus dem Großraum von Erlangen eine Therapie mit monoklonalen Antikörpern erwägen, bitten wir um folgende Unterlagen und Informationen per Fax:

Bitte beachten Sie, dass nur vollständig ausgefüllte Anfragen bearbeitet werden können. Das Uni-Klinikum Erlangen muss in jedem Einzelfall die individuelle Indikation prüfen. Das Uni-Klinikum Erlangen wird Sie per Fax kontaktieren, ob der Patient für eine teilstationäre/ambulante Therapie mit monoklonalen Antikörpern in Frage kommt bzw. wann diese stattfindet. Bitte informieren Sie im Anschluss Ihren Patienten und organisieren Sie die Einweisung zur Therapie sowie ggf. den Transport (wenn keine Anfahrt mit dem eigenen PKW erfolgt). Bitte händigen Sie Ihrem Patienten den Lageplan für die private Anreise bzw. dem Rettungsdienst den Lageplan für die Anreise mit dem Rettungsdienst aus.